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Burgauer Porzellan Jena

Die Porzellanmanufaktur Ferdinand Selles in Burgau an der Saale prägte die Gestaltungsgeschichte Jenas im frühen 20. Jahrhundert. Eine frühere Sonderschau im Stadtmuseum Jena stellte ihre Erzeugnisse unter das Thema „vom Jugendstil bis Art déco“. Der damalige Bericht trägt den Stand Mai 2010.

Burgauer Porzellan Jena Nach der Besichtigung des Stadtmuseums Jena mit der Burgauer Porzellan Ausstellung gönnt man sich eine Pause im Park Foto: www.thueringen-netz.com

Vom Gebrauchsgeschirr bis zum Zierporzellan

Die Schau vereinte Haushalts- und Gastronomiegeschirr mit Zierporzellan und Mokkatassen. Damit reichte der Blick von Gefäßen für den täglichen Gebrauch bis zu Stücken, bei denen Form und Dekor besonders hervortraten. Musterblätter, einzelne Porzellane, Anzeigen und Preistabellen ergänzten die Objekte. Sie machten sichtbar, wie eine Manufaktur ihre unterschiedlichen Waren gestaltete und präsentierte. Burgauer Porzellan aus den 1920er Jahren gehörte ebenfalls zu den damals gezeigten Themen. Die frühere Ausstellung führte damit sowohl in die Produktvielfalt als auch in die Gestaltungsgeschichte der Werkstatt ein.

Ein konkretes Beispiel aus Burgau

Ein erhaltener Objektbeleg des Stadtmuseums Jena beschreibt eine Deckelschüssel der Porzellan-Manufaktur Burgau, hergestellt 1913. Der Entwurf ist als Form „1913“, firmenintern „Anna“, bezeichnet; das Dekor trägt die Nummer 558. Franz Seeck ist als Künstler genannt. Mit Deckel ist die Schüssel 14 Zentimeter hoch; ihr Durchmesser beträgt 23,8 Zentimeter. Ohne Deckel misst sie sieben Zentimeter in der Höhe. Die flache Deckelschüssel besitzt einen gebogten Rand. Innen und außen ist der Schüsselkörper gerippt. Das blaue Dekor ist Unterglasurmalerei: Schablonierte, senkrecht geteilte Rauten mit einem ausgesparten Punkt in der Mitte reihen sich großzügig auf den Relieffeldern. Form, Deckel und Relief gehören hier zusammen: Die Rippung gliedert die Oberfläche, während das geometrische Muster die erhabenen Felder betont. Der Einsatzdeckel mit geripptem Knauf liegt in einem auskragenden Bogenrand. Der Knauf markiert die Mitte des Deckels, während der Rand dessen Kontur nach außen weiterführt.

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Zwischen Jugendstil und Art déco

Der Jugendstil wird im damaligen Ausstellungsbericht mit floralen Motiven und weich fließenden Formen verbunden. Als Gegenpol nennt er die klaren Formen des Art déco. Diese Gegenüberstellung hilft, unterschiedliche Gestaltungsideen zu erkennen: Eine weich bewegte Silhouette wirkt anders als ein stärker geordneter Umriss; ein geometrisches Dekor setzt andere Akzente als ein florales Muster. Der Vergleich sollte deshalb Form, Dekor und Gebrauch zusammenführen, statt ein einzelnes Merkmal vorschnell als eindeutiges Etikett zu lesen.

Gestalter und Manufakturgeschichte

Der frühere Bericht nennt unter den mit der Manufaktur verbundenen Künstlern Albin Müller, Albert Gessner, Fia und Rudolf Wille, Franz Seeck, Erich Kuithan sowie Else Wenz-Vietor. Die Namen verweisen auf die Zusammenarbeit von Fertigung und künstlerischem Entwurf, ohne jedes einzelne Stück einem bestimmten Gestalter zuzuschreiben. Der Bericht beschreibt die ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts als Blütezeit der Manufaktur. Zusammen mit den gezeigten Porzellanen aus den 1920er Jahren ordnet dies die Ausstellung in die Entwicklung der Werkstatt ein. Wer Burgauer Porzellan betrachtet, kann so nicht nur einzelne Formen und Dekore vergleichen, sondern auch fragen, wie Gebrauch, Gestaltung und die Geschichte eines regionalen Herstellers zusammenwirkten.