Wüstung Billmuthausen: Gedenkstätte an der früheren Grenze
Die Wüstung Billmuthausen in Thüringen soll an die innerdeutsche Grenze erinnern
Die Wüstung Billmuthausen liegt zwischen Bad Rodach in Bayern und Bad Colberg-Heldburg im äußersten Süden Thüringens. Heute ist die Wüstung Billmuthausen eine Gedenkstätte und soll an die innerdeutsche Grenze erinnern.
Historie der Wüstung Billmuthausen
Erwähnt wurde die Wüstung Billmuthausen erstmals im Jahr 1340 als Rittergut. Nach dem zweiten Weltkrieg lag Billmuthausen direkt an der innerdeutschen Grenze und wurde von den DDR-Behörden zur Sperrzone erklärt. Viele Familien flüchteten nach Bayern, solange das möglich war. Das Gutshaus wurde abgerissen und andere Familien zwangsausgesiedelt. Später folgten der Abriss der Dorfkirche und der Mühle, bis 1977 die komplette Räumung des Dorfes verkündet wurde.
Anschließend wurden die Grenzanlagen mitten durch Billmuthausen gebaut, 1978 die letzte verbliebene Familie deportiert und der Ort endgültig geschliffen. Die geplante Räumung des Friedhofs wurde nicht mehr vollzogen. Erhalten geblieben sind einzig der Friedhof und ein Transformatorenturm. Die Kirchenglocken sind im Museum Eisfeld zu besichtigen und weitere sakrale Gegenstände der Kirche befinden sich in kirchlicher Verwahrung.
Gründung des Fördervereins "Gedenkstätte Billmuthausen"
Der Förderverein „Gedenkstätte Billmuthausen“ wurde 1994 gegründet. Er pflegt die Überreste des Dorfes. Auf dem Friedhof wurde auf sein Betreiben hin ein Gedenkstein aufgestellt, eine Gedenkkapelle gebaut und ein Mahnkreuz errichtet. Auch der Transformatorenturm wurde rekonstruiert und der Dorfbrunnen wiederhergestellt.
Wüstung Billmuthausen heute
Ein in der Nähe stehender Grenzwachturm wurde dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als Fledermausunterkunft übergeben. Bekannt ist er unter dem Namen Artenschutz-, Forschungs- und Fledermauszentrum – Billmuthausen. Um an die ehemalige Billmuthäuser Mühle zu erinnern, wurde vom Förderverein „Gedenkstätte Billmuthausen“ ein drei Tonnen schwerer Mühlstein aufgestellt. Inzwischen ist die Gedenkstätte auch durch drei weitere Informationstafeln erweitert worden. Von einem Hotel in Eisfeld aus hat man es nicht weit zur Gedenkstätte. Auch wer seine Thüringen Ferien in einem Hotel in Masserberg verbringt, kann einen netten Ausflug zur Wüstung Billmuthausen unternehmen.
Eine der Säuberungsaktionen im Grenzgebiet war die Aktion „Ungeziefer“, bei der 1952 im frühen Morgen Menschen aus ihrem Haus vertrieben wurden. Unter Strafandrohung wurde ihnen verboten, jemals wieder die Heimat zu betreten oder über die Umstände zu sprechen.
Kontakt
Nähere Informationen gibt es von:
Förderverein „Gedenkstätte Billmuthausen“ e. V.
Vorsitzender: Dr. Rüdiger Stengel
Am Feuerberg 10
96450 Coburg
Tel.: 09561/33391
Den Erinnerungsort Billmuthausen besuchen
Billmuthausen erinnert an Zwangsaussiedlungen, die deutsche Teilung und die Zerstörung eines Dorfes im Grenzgebiet. Ein Besuch verlangt einen respektvollen Umgang mit dem Ort und seiner Geschichte. Aktuelle Informationen zur Zugänglichkeit, zu Führungen und Ansprechpartnern sollten Sie vor der Anreise beim Förderverein oder den zuständigen Stellen prüfen. Weitere geschichtliche Zusammenhänge bieten die Gedenkstätten in Thüringen, die Persönlichkeiten und Zeitgeschichte sowie die Kulturinformationen zu Thüringen.
Für eine ruhige Tagesplanung sind Anfahrt, Wege vor Ort und ausreichend Zeit wichtig. Billmuthausen liegt im Süden des Landes; die Region Thüringer Wald und die Übersicht der Thüringer Regionen helfen bei der Einordnung. Übernachtungsmöglichkeiten finden Sie über die Unterkunftsauswahl, bei den Unterkünften in Eisfeld und im Raum Hildburghausen und Suhl.
Foto: Dagobert Wiedamann