Oh! Du schöner Tautenburger Wald Tautenburg - Oh! Du schöner Tautenburger Wald

Oh! Du schöner Tautenburger Wald

Durch eine Hügellandschaft, vorbei an Wiesen und Feldern, kommt schon nach kurzer Strecke der Abzweig nach Tautenburg. Ein malerisch liegendes Tälerdorf. Aber welcher Unterschied zum touristisch wirklich ausgereizten Schwarzburg! Und dabei haben beide Orte eine fast ebenbürtige faszinierende umgebende Natur. Touristische Hinweisschilder in Tautenburg? Vergiß es! Aber warum schildern die den Weg zum Observatorium aus, wenn das nur ein Mal im Jahr für Touristen geöffnet ist? In Australien und Nordamerika undenkbar! Und das bei einem US- Amerikaner als Leiter des Observatoriums, der zudem nach einem Zeitungsinterview die deutsche Bürokratie für sehr extrem hält. Vergeblich haben wir die angeblich roten Wegweiser zur sagenhaften Sperberhütte gesucht. Nur die Reste der Tautenburg ließen sich wohl schlecht verstecken. Man sieht sie auf einem Hügel. Die im Rahmen der Saale Unstrut Burgenbauten 1223 errichtet Burg verwaiste nach dem Tod des letzten Schenken von Tautenburg.


Turm der TautenburgDie praktischen und sparsamen Thüringer bauten 1780 fein säuberlich die Burg ab und errichteten mit den Steinen das Amtshaus von Frauenprießnitz. Übrig blieb der Bergfried, der von oben auch nicht anders aussieht als von unten. Nach dem steilen Aufstieg kann man den trapezförmigen Grundriss des Turmes und die fünf unterschiedlich langen Seiten besichtigen.

Im Ort gibt es noch die 1982/83 vollständig renovierte Dorfkirche. Sie ist die Nachfolgerin der ehemaligen Burgkapelle und einer unvollendeten romanischen Kirche.

Der Tautenhainer Forst ist 1099 Hektar groß. Die Sperberhütte, deren Zufahrt wir nicht fanden, ist ein gesuchter Aufenthalt für Jugendgruppen. Hier im 263 Hektar großen Naturschutzgebiet „Gleistalhänge“ sind viele Singvögel, der Siebenschläfer und verschieden Fledermausarten zu beobachten. Und vor den Zecken im gesamten Waldgebiet wird ausdrücklich gewarnt. Der Besucher sollte dies bei seiner Wanderkleidung beachten und einen aktuellen FSME Impfschutz haben. Auf der ausgeschilderten Strasse zum Observatorium sind wir in den zunächst als Mischwald imponierenden Tautenburger Wald gefahren. Dann kam eine scharfe Linkskurve und wir standen ziemlich ratlos vor der Landessternwarte. Der Mann, den der Pförtner mit seinem PKW hineinfahren ließ schaute uns ziemlich missmutig an. Ließ uns aber ratlos und hilflos vor der kaum noch zu lesenden Karte am Zaun stehen. Nun wusste ich zwar, dass das Carl Schwarzschild Observatorium 1960 errichtet wurde und ein 2 Meter Spiegelteleskop hat, erfuhr aber auch, dass hier nur zwei Mal jährlich ein Tag der offenen Tür durchgeführt wird. Wegweiser im Tautenburger WaldUnd ich dache wehmütig an die Observatorien in Parkes und Sydney oder in den Warrumbungles, wo schon nach wenigen Minuten ein Mitarbeiter aus dem Haus kam, und fragte, ob er helfen könne. Und das ein 1989 hier entdeckter Tautenhainer Planetoid den Namen 4089 Thraen, einem von 1843 bis 1902 lebenden Theologen und Astronomen von Weltruf, erhielt, hätte ich lieber vor Ort und nicht über das Internet erfahren. Vorn an der Kreuzung schien ein Parkplatz zu sein. Also zurück. Ein kleiner rustikaler Rastplatz in der Natur und wenig verschmutzt. Die aufschlussreichen Hinweisschilder zeigten uns, dass wir noch 50 Meter an der Sternwarte vorbei das Auto hätten abstellen können, um zur Zietschkuppe zu laufen. Das muß einem eben jemand sagen. Werden wir aber nachholen, denn in einer Wanderbeschreibung habe ich gelesen, dass dort die Kreuzung „Bei den Kastanien“ kommen soll, von wo der rot ausgezeichnete Wanderweg, den wir in Tautenburg vergeblich gesucht hatten, weiter weist.

Nach unserer Karte mussten hier irgendwo die berühmten sieben Buchen stehen. Mitten im Buchenwald. Wir sind in einem Radius von 300 Metern um den Rastplatz die Gegend abgelaufen. Buchen über Buchen. Viel mehr als sieben. Aber nirgendwo ein Hinweis. Oder sollten die etwa die mickrigen Buchenbäume am Rastplatz mit diesem Ehrennamen versehen haben? Die sieben Buchen haben wir wenigstens noch auf der Karte gefunden, nur die angepriesenen Kastanien waren wohl kein Wanderkarten würdiges Ausflugsziel. Uns interessierte die Hohe Lehde. Was mag das sein? Unter Lehde versteht man unbebautes, jedoch brauchbares Land, das oft wegen Hut- und Triftzwanges brachliegen muß. Der Wortstamm geht auf das niederländische „leeghde“ zurück und bezeichnet einen niedrig gelegenen Ort, ein Tal. Hohe Lehde müsste folglich ein solches Brachland auf der Höhe sein.

Wanderweg im Tautenburger WaldDa gab es zum einen diesen angeblich ausgeschilderten Weg, als Abzweig vom dem Waldweg, der hinunter nach Golmsdorf führt. Doch nach der Karte müsste auch vom Rundkurs nach Dorndorf, der übrigens am Parkplatz nicht ausgeschildert war, nach links ein Weg zur Hohen Lehde abgehen. Für zukünftige Wanderer habe ich wenigstens den sehr verwirrenden Wegweiser repariert. Nicht jeder hat auf der Wanderung einen Spaten zur Hand! Es wäre schön gewesen, wenn an dem Baum noch ein Hinweisschild „Hohe Lehde“ gestanden hätte. So sind wir umsonst noch bis zum nächsten Abzweig gelaufen, merkten erst dann den „Fehlweg“. Wieder zurück. Natürlich wanderte es sich angenehm durch den Buchenwald. Das empfand auch der „ältere Herr“ (Mein Gott! Ich bin ja auch schon 65!), der vor der Beendigung des Rundkurses auf uns traf und freundlich den Gruß erwiderte. Nunmehr, auf einen ziemlich ausgefahrenen und schlammigen Waldweg, für ein Fahrrad absolut unbenutzbar, strebten wir zum Naturschutzgebiet Hohe Lehde, das 75 Hektar groß ist. Das besondere dieses Gebietes sollen die wertvollen xerothermen (trockenwarme Standorte bevorzugende) Pflanzen sein und ein sehr anschaulicher Übergang einer natürlichen Abfolge von Wald zu Trockenrasen. Wie kann man nur schon im Oktober alle Erklärungstafeln bei so einer interessanten natürlichen Begebenheit entfernen? Oder haben die gar keine Tafeln? So wird für uns auch der Ursprung der beiden großen Wiesen im Wald unklar bleiben. „Tautenburg“ so erklärte mir die freundliche Revierleiterin Christine Thar „war ob seines schlechten Ackerbodens im Umfeld des Ortes ein armes Dorf. Die Bauern nutzten jeden nur Ertrag versprechenden Flecken. So rodeten sie auch im Wald ganze Gebiete.“ Waren die Wiesen an der Hohen Lehde nun solche ehemaligen Felder oder natürliche Waldwiesen? Wo werden jährlich die Sonnenwendfeuer entzündet? Das scheint nicht viele zu interessieren.

Doch zunächst nahm der Mischwald, bei dem Buchen und Ahorn überwiegen, wieder zu. Hohe Schösslinge streben zwischen den Bäumen aus dem Unterholz zum Licht. Den für diesen Wald angeblich typischen Totholzanteil haben wir auf dieser Wanderung nicht bemerkt.

Wie gesagt, nach einer durch den schlammigen Weg etwas erschwerte Wanderung durch einen herrlichen herbstlichen Wald erreichten wir die erste der beschriebenen Wiesen. Eine wirklich große Freifläche. Rundum von Bäumen umgeben und ohne sichtbaren Weiterweg. Eine im Gras angedeutete Fahrspur ging gleich am Waldesrand nach Norden. Sollte das der Fernwanderweg Feengrotten Kyffhäuser sein? Da hätte doch am unteren Wiesenrand, wo der Grasweg wieder auf einem Forstweg in den Wald führt, ein Wegweiser stehen müssen! Der Wiesenpfad am südlichen Wiesenrand war zu nass. Wir folgten den eben angesprochenen Forstweg. Und siehe da.

Tautenburger WaldbankNach 200 Metern ein gelber Balken an einem Baum. Jetzt müsste man nur wissen, welchen Wanderweg der anzeigt. Ach und dann noch die wirklich gut ausgeschilderten Reitwege. Für Stahlrösser können die Zeichen nicht gedacht sein. Dazu war die Beschaffenheit zu schlecht. Noch Mal so eine Wiese im Wald, eine kleine Rechtskurve und wir waren auf dem Wanderweg nach Golmsdorf. Unglaublich! Ob die Fernwanderer zu den Feengrotten ihr Ziel jemals erreicht haben? Allerdings lagen keine Skelette in dieser Gegend. Aber eine besondere Fürsorge der Verantwortlichen für wanderten Liliputaner oder Kinder. Die Bank am Wegesrand kurz vor dem Parkplatz an einem wiederum nicht ausgeschilderten Abzweig hat wohl auch im SHK musealen Wert.

Immerhin haben wir uns nicht verirrt! Das zählen wir schon als Erfolg. Allerdings ist es enttäuschend, wenn bei so herrlichen Sehenswürdigkeiten die Menschen nicht mit ausreichende Informationen und Hinweisen durch den Forst geleitet werden.

Foto: Dieter Tischendorf

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