Die Dornburger Schlösser Aussicht von der Dornburg - Die Dornburger Schlösser

Die Dornburger Schlösser

Natürlich ist die verwaltungstechnische Zuordnung von Dornburg zum Saale-Holzland-Kreis ein absoluter Gewinn. Außerdem stehen die Dornburger Schlösser zu dem eigentlichen waldreichen Holzland in ihrer Schönheit und Beschaulichkeit in einem sehr ansprechenden Kontrast. Ein Juwel am Saalestrand! Immerhin durchfließt die Saale ein ganzes Stück den Saale Holzland Kreis. In der Nähe des 266 Meter hohen Hardtberges beginnt der Lauf des Flusses im Kreisgebiet. In Luftlinienmessung verlässt die Saale, nach einer Strecke von über 45 Kilometer in einem recht gewundenen Flussbett, zwischen Stöbener Grund und Römersberg wieder den Saale-Holzland-Kreis. Kurz vor dieser nördlichen Kreisgrenze, oberhalb von Camburg, steht das heute noch bewohnte Schloss Tümpling. Hier reizt ein sehenswerter ehemaliger Schlosspark mit einer Platane, deren Umfang 4,5 Meter beträgt, zur Wanderung. Gleich in der Nähe das Klausloch. Eine romantische Gegend, in der früher Einsiedler lebten. Die Sage von der wandelnden Laterne sollte man selbst erkunden. Aber Vorsicht!!

Südlich kommt die Burg Camburg, die dem Ort seinen Namen gab. Als günstigste Strecke, da nicht so sehr frequentiert, scheint mir die Anfahrt von Stadtroda, Hermsdorf oder Eisenberg über die Ampelkreuzung in Trotz nach Norden. Malerische Ortschaften sind zu durchfahren. Allerdings ist die enge und holprige Strasse zu tolerieren. Landschaftlich hat der Freund der Hochebenen im Heideland den weiten Blick und die Ansicht der Windkraftanlagen. Nach Wetzdorf führt die besser werdende Strasse durch den Hirschgrund. Eine gute Gelegenheit, sofort oder auf der Rückfahrt, den Besuch des Tautenburger Waldes, mit seinen Buchenwäldern, den Schluchten, den Bergen, Kuppen, Höhen und „Leiten“ zu planen. Das Burggebäude hatte man 1780 abgetragen. Dieser verbliebene Turm ist deshalb sehenswert, da er fünf verschieden lange Seiten hat.

Zu meiner Studienzeit gab es in Jena einige Riten, deren Einhaltung einen sicheren Abschluss des Staatsexamens garantierte. So war es selbstverständlich, dass man während der 12 Semester in jeder Jenaer Kneipe ein Bier getrunken haben mußte. Auf dem Jenzig gehörte zum Umtrunk natürlich das Absingen des Liedes „Ja in Jene lebt sich’s bene“. Der Kegelabend auf Wilhelmshöhe nach dem Vorphysikum, oder dem Physikum und als letzte Chance zwischen dem 11. und 12. Semester war auch so eine wichtige, unbedingt einzuhaltende Tradition. Neben den Spaziergängen im „Paradies“, in den Kernbergen oder zum Fuchsturm (mit oder ohne Schatz) galt als die wichtigste kulturelle Voraussetzung für eine erfolgreiche Prüfung aber nicht der Besuch des Jenaer Theater. Nein! Ein Ausflug zu den Dornburger Schlössern. Das war man „Großmeister“ Goethe schuldig.
Mit dem Zug eine relativ kurze Fahrt und dann der sehr steiler Aufstieg nach Camburg. Und so fiel schon wieder ein Studientag zum Lernen aus!

Meine Frau und ich besuchten Dornburg 1962 erstmals zur Zeit der Rosen. Und da begreift man, warum Dornburg auch „Stadt der Rosen und der Schlösser“ genannt wird. An den Weg vom Bahnhof in Dorndorf, an die Alexanderbrücke kann ich mich nur noch dunkel erinnern. Auch dass „unheimlich viele“ Stufen auf dem steilen Fußweg bis hinauf nach Dornburg zu meistern waren, weiß ich heute noch. Immerhin liegen die Schlösser 90 Meter über der Saale. Peter Hahn scheint sie gezählt zu haben. In der „Frankfurter Allgemeinen“ schrieb er am 25. April 1996 von 162 Stufen. Ich hätte gedacht es waren mehr! An der Trassenführung des gewundenen Weges zum Plateau des Muschelkalkfelsens, angelegt im Auftrag des Großherzogs, soll Goethe beratend mitgewirkt haben.
Schon beim ersten Besuch gefielen mir nicht nur die Anlage der drei Schlösser, die füllige Rosenpracht in den Parks und an den Häusern, nicht nur die Weinberge. Am meisten beeindruckt hat mich schon 1962 die phantastische Sicht in die malerischen Auen des Saaletals und auf den gegenüber liegenden tiefgrünen Tautenburger Wald. Eine Sicht zum Verlieben. Also waren meine beiden ersten Fotoaufnahmen bei unserem Besuch 2005 der Blick von den Schlössern ins Saaletal. Wie bei einer gepflegten Anlage einer Spielzeugeisensbahn wirkt die Flussebene, durch die sich behäbig die Saale windet, begleitet von den geräuschlosen Fahrten roter und silberner Intercityzüge, auf den Betrachter.

Aussicht von der DornburgWir waren diesmal mit dem Auto da. Die kurvige Auffahrt nach Dornburg blieb gemütlich, da verkehrsberuhigt. Eine Straßensperre wegen Straßenbauarbeiten verhinderte die Weiterfahrt nach Apolda. So gab es im Ort nur die Möglichkeit nach links abzubiegen. Und auch ohne einen Wegweiser gelangten wir durch eine geschlagene „Lücke“ in der Stadtmauer zu dem im alten mittelalterlichen Glanz erneuerten Markt. Die gepflegte kleine Grünfläche in der Mitte ist schon seit der der Marktgründung gewollt. Der so entstandene Straßenmarkt verhindert besonders heute eine Wildparkerei und bildet einen sehr gelungenen „Marktteiler“ mit dem Marktteich am oberen Ende der Grünanlage. Marktstraße nennt man derartige Anlagen. Natürlich fehlt gleich gegenüber dem Rathaus nicht der Pranger. Das Rathaus wurde 1728 errichtet, hat eine Freitreppe und einen Turm. Sehr angenehm empfanden wir und ebenso die Hamburger, die vor uns parkten, dass an diesem Wochentag die Parkautomaten abgestellt waren. Man durfte mit Parkscheibe das Auto abstellen. Es ist ein herrlicher Septembertag. Die Sonne wärmt. Und lässt die farbigen Häuser der über 1000 Jahre alten Stadt leuchten. Auch das kleinste Haus der Stadt mit seiner Breite von 3,60 Meter ist am Markt zu sehen. Am unteren Marktrand führt ein Tor, neben dem die alte Apotheke steht, in den Hof des Kammergutes. Eines der drei Güter von Dornburg. Von diesem Gut zieht sich die altertümliche Stadtmauer bis zu den Schlössern um den Ort. Die heute etwa 1000 Einwohner zählende Stadt ist eine der ältesten Städte Thüringens. Schon 937 wurde Dornburg in einer Urkunde des späteren deutschen Kaisers Otto I. erwähnt.

Die ehemalige Befestigungsanlage gegen die Überfälle der Ungarn entwickelte sich zu einem Flecken, der 1360 die Schriftsässigkeit erlangte. Eine verwaltungstechnische Besonderheit. Wurde so doch der Ort den Rittergütern gleichgestellt und hatte das Privileg schon in erster Instanz sein Recht vor dem höchsten Gericht zu nehmen. Ursprünglich leitete sich der Name „Schriftsasse“ davon ab, weil Mitglieder (Sassen) bestimmter Gruppierungen (Ritter, Adel oder andere Stände) die Verordnungen der Landesherren, aber auch Ladungen zum Landtag durch eine besondere „Schrift“ zugestellt bekamen. Daraus entwickelte sich ein Privileg, bei Streitigkeiten schon in der ersten Instanz sein Recht vor dem höchsten Gericht einzuklagen. Für dieses Privileg bedurfte es des Besitzes von Grund und Boden oder der Zugehörigkeit (Sassenschaft) zu bestimmten Körperschaften oder Ämtern. Schon vor über 1000 Jahren haben sich in Deutschland Justiz und Steuerrecht in bald kaum noch übersehbare Labyrinthe entwickelt. Und das ist in Deutschland bis heute so geblieben. Vielleicht sogar noch perfektioniert! Warum erinnert sich nur niemand in unserem Land, wie einst Alexander der Große den Gordischen Knoten löste? Das wäre es doch!

Im Jahr 1717 brachte eine Feuerbrunst Leid und Elend in die Stadt. Bis auf drei Häuser, eines davon kann man in der Gebäudezeile hinter dem Markt besichtigen, brannte die Stadt und mit ihr die 1589 gebaute Stadtkirche nieder. Die Kirche wurde dann 1718 in der heutigen spätbarocken Gestaltung wieder aufgebaut.

Zwischen Stadtkirche und Wohnhäusern einige Stufen hinunter begrüßt uns das Rokokoschloss. Leider war es 2005 wegen der Umbaumaßnahmen nicht zu besichtigen. Das mittlere der drei Schlösser wurde gleich zwei Mal gebaut. Der erste Versuch hatte starke bauseitige Mängel und musste wieder abgerissen werden. Dann beauftragte Herzog Ernst August I. den Baumeister Krone, das heutige Gebäude zu errichten. Der Bau begann mit dem Abriss der 22 Katen von Landarbeitern, die hier wohnten. Vom Herzog kaum genutzt diente der zwischen 1736 und 1747 errichtete Prunkbau lediglich Goethe bei seinen seltenen Aufenthalten ab 1776 in Dornburg als Quartier. (20 Besuche haben die Historiker gezählt). Auch die Idee, hier die Landtagssitzungen durchzuführen, war ein Strohfeuer. Immerhin war das Prachtschloss 1718 für wenigstens eine Sitzungsperiode Tagungsort des Parlaments, das Großherzog Carl August als erster deutscher Fürst in seinem Land etablierte.

Vier Hektar beträgt die Gesamtanlage des Rokokoschlosses und des 1539 von Volrad von Watzdorf erbauten Renaissanceschlosses. Ursprünglich waren beide Anwesen getrennt. Auf Wunsch der ständig wechselnden Besitzer. Allein sieben verschieden Eigentümer konnte ich zwischen dem ersten Verkauf 1571 bis zum Erwerb durch Großherzog Carl August vom damaligen Erben des Gottlob Stohmann 1824 zählen. Immerhin fielen in die Zeit des Besitzes durch den Amtsschösser Zetsching wichtige Anbauten zwischen 1605 und 1608. „Stohmann’sches Schlösschen“ oder „Goethe Schloss“Goethe Schloss sind ebenfalls gebräuchliche Namen für das einzige der drei Schlösser, das besichtigt werden kann. Der Bezug zu Goethe und die exakte Auflistung seines Tagesablaufes während seiner Besuche, der mit dem Zeitraum 7. bis 11. Juli 1828 genau datierte Entstehungszeitpunkt der elegischen „Dornburger Gedichte“, machen das Museum für Literaturfreunde und Goetheanhänger interessant.

Nach der Eigentumsregelung begann die Umgestaltung der Umgebung beider Schlösser zu der heute so ansehnlichen Ansicht. Elemente der typisch englischen Gärten wurden harmonisch mit den verspielten französischen Barockgärten verbunden. Lauschige Sitzgelegenheiten, eine phantastische Aussichtsgalerie vom beiden Schlössern, Terrassen, alte Bäume, Grünflächen, wo es passt, gewundene Wege und angedeutet Alleen. Der Gartenplaner Karl August Christian Sckell, ein Weimarer Hofgärtnersohn, vereinte in heute noch eingehaltener Linie die eigentlich so unterschiedlichen Bauelemente der Schlösser (Mittelalter, Rokoko, Renaissance) durch eine ebenfalls unterschiedliche, zum Teil konträre Gartenanordnung, die so herrlich miteinander harmoniert. Die englische Parkanlage am Renaissance Schloss, verbunden durch die Spazierwege auf den Bastionen mit dem französischen Garten am Rokoko Schloss. Und dazu die Weingärten an den Hängen: Was für eine Komposition! Wie auch der Gesamteindruck der Schlösser.

Dass sich die in Terrassen angelegten Weinberge am Hang zur Saale wie notwendig in das Gesamtbild einpassen? Es versteht sich. In blumigen Worten schreibt Goethe am 10. Juli 1828 an den Freund Carl Friedrich Zelter über die Schönheit seines derzeitigen Aufenthaltes. Überall sind die schwärmenden Sätze Goethes nachzulesen. Zelter, einer der bekanntesten Berliner Musiker seiner Zeit, war mit Goethe seit 1802 bekannt und bald befreundet.
Der nördlichste Pfeiler, der drei so unterschiedlichen Schlösser, ist der älteste. Mit dem Alten Schloss präsentiert sich eine neue Stilvariante der um 936 von König Heinrich I. errichteten Reichsburg Dornburg. 1451 wurde die Burg im Sächsischen Bruderkrieg irreparabel zerstört. Bis 1522 dauerte der Neuaufbau, nunmehr als Altes Schloss. Mehrere Anbauphasen folgten. Dann wurde das Gebäude ab 1717 Sitz der Verwaltung des Amtes Dornburg. Später waren eine Baumwollspinnerei, dann eine Textilfabrik und schließlich auch eine Schule im Schloss untergebracht. Die Erhaltungsmaßnahmen blieben dürftig. Aber nach 1945 gab die Bausubstanz zeitweise noch die Nutzung als Altenheim her. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen und Restaurierungen unter Federführung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten seit 1995 haben das historische Gebäude gerettet. Es dient heute als Begegnungsstätte für die Friedrich Schiller Universität Jena.

Schloss DornburgDrei Besonderheiten von Dornburg seien noch erwähnt. Da ist einmal die von 1987 bis 1989 dauernde Wiedererstellung der berühmten Gerhardt Orgel von 1820 in der St. Jacobi Stadtkirche und zum anderen das „Wartburgmuseum“, eine Oldtimer Privatsammlung des Marco Brauer am Ortsrand von Dornburg. Seit 1873 feiert Dornburg jedes Jahr am letzten Wochenende im Juni sein Rosenfest. Die Tradition geht auf die jährliche Geburtstagsfeier des Großherzogs in Dornburg zurück. Die Kinder und die Schuljugend zogen mit Fahnen, Girlanden und Musik am Großherzog vorbei, der stets vor dem Rokokoschloss stand. Die Dornburger wusste sehr wohl, dass der Großherzog diese Ehrerweisung mit reichlich Geschenken und Naturalien honorierte. Das war die Geburtsstunde des heutigen Kinder- und Rosenfestes, aus dem sich mit den Jahren ein Volksfest entwickelte. Höhepunkt ist die jährliche Wahl der Rosenkönigin unter den Mädchen der 10. Klassen. Eine Tradition, die die 335 Mitglieder des Dornburger Rosenvereins e.V. seit 1990 pflegen. Ich glaube zwar nicht, dass sich der Mutz nach Dornburg begeben wird. Dazu passt ihm die Landschaft sicherlich nicht. Doch die Holzländer und ihre Gäste sind jederzeit in Dornburg herzlich willkommen.

Dieter Tischendorf

Foto: Dieter Tischendorf

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