Erfurt
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"Der Erfurter habe Sinn für Eleganz, Duldung und Weite,
geistige Beweglichkeit und ein starkes Freiheitsbewusstsein."

Martin Wähler (1889–1953),
Volkskundler und Historiker

Anno 742 wurde Erfurt zum ersten Mal in einem Brief an den Papst Zacharias benannt. Die qualifizierte Lage der Ortschaft „Erphesfurt“ in der ertragreichen Gera-Aue stellte der Missionsbischof Bonifatius fest und pries ihn als Sitz eines neuen Pfarrbezirks der römischen Kirche an. Dadurch erhielt Erfurt den Ruf als geistlichen Mittelpunkt Thüringens. Begünstigt durch das existieren einer Königspfalz und der favorisierten Verkehrslage am Treffpunkt alter deutscher und europäischer Handelswege mit regem und weitläufigem Markt- und Handelsverkehr erlangte Erfurt einen hohen Status. Die Stadt kann auf eine über 1260 Jahre erstaunliche und ereignisreiche Chronik zurückblicken. Ein fast vollkommen erhaltenes mittelalterliches Stadtzentrum, die Wahrzeichen Dom und Severikirche und unzählige Unikate der Baukunst charakterisieren die größte thüringische Stadt Erfurt.

Schon in der Vergangenheit fühlten sich viele Personen mit hohem Bekanntheitsgrad von der wirtschaftlichen Kraft, der schöpferisch-klassischen Tradition und der wandelhaften Geschichte in ihren Bann gezogen. Unter anderem wurden im 12. Jahrhundert sechs Aufenthalte des Kaisers Friedrich I. Barbarossa in Erfurt bezeugt, auch König Rudolf der Erste von Habsburg verweilte 1289/90 in Erfurt Hof. Im Augustinerkloster und an der Erfurter Universität verstand es Martin Luther die Jahre, die ihn formten, zu erleben. Schwedenkönige, Dichter, Zaren und selbst Napoleon konnten dem Zauber der Stadt nicht widerstehen. Bekannte Namen wie Ries, Goethe, Herder, Wieland und Humboldt, um nur ein paar wenige zu nennen, werden eng mit der Historie der Stadt Erfurt in Verknüpfung gebracht.

Selbst in der Gegenwart erzeugt der Knotenpunkt Thüringens einen bezaubernden Charme auf das Land und die Welt. In den mondänen Konzert- und Messehallen kehren internationale VIPs ein, Sportler, aus Erfurt stammend, gehören zu den weltweit Siegreichsten. 25 Pfarrkirchen, 15 Klöstern, Stiften und 10Kapellen reckten ihre Türme zum Himmel, worauf Martin Luther einst die Metropole mit dem Namen „Erfordia turrita“ - türmereiches Erfurt - ehrte. Bei Ernst Stida und anderen Chronikern und Zeitgenossen veranlasste die imponierende Anzahl der Gotteshäuser, voran das achtunggebietende Zusammenspiel von Mariendom und Severikirche, vom „thüringischen Rom“ zu philosophieren. Bezaubernde Renaissencebauten und gefühlvoll wiederhergestellten Fachwerkhäuser im Andreasviertel werden heute noch von einzelnen Schatten der Kirchtürme liebkost. Aussagekräftige Modell mittelalterlicher bzw. frühneuzeitlicher Architektur sind das Augustinerkloster, in welchen Martin Luther fünf Jahre als Bettelmönch verharrte, die Festungsanlage auf der Zitadelle Petersberg, eine der altertümlichsten Stadtfestungen und die Predigerkirche, die heutige evangelische Hauptkirche und nach dem Mariendom die zweitgrößte Kirche Erfurts. Erfurts mediävales Zentrum ist das am besterhaltene und von der Fläche her das Größte Deutschlands.

Die 1325 wieder aus Stein erbeute, im Jahr 1117 erstmals angeführt als Holzbrücke und eine der populärsten Brücken in Erfurt ist die Krämerbrücke. Nördlich der Alpen ist sie die einzige vollständig mit Häusern verbaute und bewohnte Brücke. Mit einer Länge von 79 Metern überwindet sie die Gera mit ihren sechs Gewölben. 100 von 142 Brücken binnen der Stadt überqueren die Gera und ihre Nebenflüsse. Den Namen „Kleinvenedig“ verdankt ein Teil des Stadtkerns der großen Anzahl an Wasserläufen und Brücken, die das Bild der italienischen Baistadt ins Gedächtnis rufen. Die Lehmannsbrücke und die Lange Brücke waren in der Frühzeit einflussreich für den Handelsverkehr. Aufgrund seiner lokalen Vorteile übt Erfurt seit jeher einen besonderen Reiz aus. Eine frühe Hinwendung zum Feld- und Gartenbau förderte das sanfte Klima, ertragreiche Böden und die unzähligen Wasserarme der Gera, damit wurde sie zum Hauptursprung des Erwerbs und Wohlstandes der Stadt. Die Waidpflanze verhalf Erfurt damals zu einer der reichsten und florierendsten Städte zu gedeihen.

„Des heiligen römischen Reiches Gärtner“ - Martin Luther

Im 18. Jahrhundert etablierte Ratsmeister Christian Reichert den Erwerbsgartenbau in Erfurt. Brunnenkresse, Puffbohnen und der Erfurter Blumenkohl wurden bald nicht nur regional als Besonderheit gehandelt. Global berühmt wurde Erfurt schon im 19. Jahrhundert unter den Beinamen „Blumenstadt“ durch aufstrebende Züchtungen und Saatgut der unzähligen Gärtnereien.

In Erfurt sind das Deutsche Gartenbaumuseum, eine Fachhochschule, eine Lehr - und Versuchsanstalt, enorm viele Gartenbaubetriebe, ein beachtlicher Samenzuchtbetrieb und die antiquarischste Kakteenzucht Europas ansässig. Alljährlich betört das weitläufige Gelände des Egaparks Erfurt - von Ortsansässigen „Garten Thüringens“ genannt - mit seiner Blumenpracht. Von beachtlicher Leistung großer Gartenbaukunst zeugen im Park die Themengärten, Europas größtes verzierend geschmücktes Blumenbeet, der Rosengarten, ein japanischer Fels - und Wassergarten, das Schmetterlingshaus, sowie die tropischen Pflanzenhäuser.

Abschließend kann man bei einem Spaziergang durch die Gassen der Altstadt die klassische Liebe der Blumenstädter an dem verführerischen Blumenschmuck an Fenstern und Balkonen und den liebenswert bepflanzten Vorgärten erkennen.

Romy Mauer


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